Die Geschichte des IAI

 

Wie alles begann

Die Verarbeitung von sprachlichen Daten an der Universität des Saarlandes hat eine lange Geschichte: sie reicht zurück bis in die späten 60er Jahre des 20. Jahrhunderts, als das erste maschinenlesbare Wörterbuch des Deutschen zur Analyse von Texten geschaffen wurde (SADAW = Saarbrücker Deutsches Analysewörterbuch, SATAN = Saarbrücker Textanalyse).

Der Pionier Hans Eggers und sein Schüler Harald Zimmermann (der später der Gründungsdirektor des IAI werden sollte), waren von diesem Problem so fasziniert, dass sie ihm ihr Leben widmeten; Hans Eggers steht dabei für das wissenschaftliche Interesse an einer Entwicklung von Algorithmen, die das sprachliche Denken modellieren sollten, Harald Zimmermann für das praktische Interesse, "Programme zur automatischen Sprachanalyse (und später: zur maschinellen Übersetzung) zu entwickeln, die in der Lage sind, diesbezügliche menschliche Arbeiten zu entlasten oder – wie wir glaubten – zunehmend auch ersetzen zu können."

Seine Initiative war es auch, die zur Gründung von GFAI und IAI im Jahre 1985/86 führte. Saarländische Institutionen und Firmen gründeten die GFAI (Gesellschaft zur Förderung der Angewandten Informationsforschung e.V.) als gemeinnützigen Verein, der als ausführende Stelle das IAI einsetzte. Ein Kooperationsvertrag mit der Universität des Saarlandes regelte die Einrichtung des IAI als eines der ersten An-Institute in der Bundesrepublik. Das IAI übernahm an Stelle der Universität den EU-Auftrag für die deutsche Komponente des Projekts EUROTRA zur Maschinellen Übersetzung. Harald Zimmermann holte dann Johann Haller als Projektleiter in das IAI, der ihm 1990 nach der Berufung als Professor an die UdS in das Direktorium des IAI folgte.

Daneben war das EUROTRA-Projekt auch der Katalysator für die Einrichtung der allgemeinen Computerlinguistik an der UdS, die heute mit fünf Lehrstühlen zu den wichtigsten der Bundesrepublik gehört und ihrerseits an Einrichtung und Forschungstätigkeit im DFKI (dem Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz) eine wichtige Rolle spielt.

Das IAI konnte in den EUROTRA-Jahren und bis Ende des Jahrtausends mit anderen linguistischen EU-Projekten einen großen Fundus an sprachlichen Materialien sowie reichlich Erfahrung in der Konstruktion von Wörterbüchern und Grammatiken erwerben. Mit der zunehmenden Leistungsfähigkeit der Computer rückte dann auch der praktische Einsatz näher. Zunächst waren es wieder weitsichtige Pioniere aus Industrieunternehmen und Förderinstitutionen (z. B. bei EDS, BMW, den Projektträgern der GID (später GMD bzw. DLR)), die einzelne Anwendungen in der Sprach- und Terminologiekontrolle und der Maschinellen Übersetzung mit dem IAI betrieben. Einen wichtigen Durchbruch brachte die Kooperation mit dem Dudenverlag, der Anfang des neuen Jahrtausends zur ersten Version des Duden Korrektors (damals noch Sprachassistent) führen sollte.
Im Laufe der Jahre gewann dieses Produkt eine Reihe von Preisen sowie alle Vergleichswettbewerbe mit anderen Korrekturwerkzeugen überlegen.

Zusammenarbeit mit der Industrie 

Gestützt auf den gestiegenen Bekanntheitsgrad und die gewonnenen Erfahrungen, konnte sich das IAI auch mit dem neuen Werkzeug CLAT (Controlled Language Authoring Tool) bei industriellen Anwendern durchsetzen; alle Unternehmen der deutschen Automobilindustrie (von BMW über Porsche bis Volkswagen) benützen dieses Werkzeug heute zur Qualitätssicherung und Kosteneinsparung. Auch andere Industrieunternehmen wie 'Heidelberg', der weltgrößte Hersteller von Druckmaschinen, sowie mehrere Unternehmensbereiche bei Siemens vertrauen auf die vom IAI gelieferte Software. SUN Microsystems verwendet eine spezielle Version für englische Texte (SunProof).

Daneben ist ein zweites Werkzeug zum Knowledge Management und zur Automatischen Indexierung im Einsatz. AUTINDEX wird bei Bibliotheken, großen Organisationen und Datenbanken zum automatischen Abgleich von Texten mit Schlagwortlisten, Thesauri und Ontologien verwendet. Spezialversionen für Verlage erzeugen automatische Stichwortverzeichnisse.

Zwanzig Mitarbeiter, viele davon inzwischen promoviert und mit einer langjährigen Erfahrung ausgestattet, garantieren heute erstklassige Qualität in der Sprachprüfung, beim Extrahieren und Validieren von Terminologie sowie im Knowledge Management. Auch nationale und EU-Förderprojekte werden von den Spezialisten mit Erfolg immer wieder eingeworben.

Trennung von Forschung und industrieller Anwendung

2010 hat das IAI seine Sprachprüfsoftware in ein Joint Venture - die Firma Congree - eingebracht und damit einen ersten Schritt getan, Forschungsaktivitäten und kommerzielle Aktivitäten zu trennen. Dieser Schritt wurde vollständig im Jahre 2014 vollzogen, als Mitarbeiter die IAI Linguistic Content AG gründeten.